Junger Kaiseradler abgeschossen: im Mai geschlüpft jetzt tot in Thaya gefunden

(19.09.2011) BirdLife, WWF und NÖ Landesjagdverband verurteilen die illegale Tat scharf


Junger Kaiseradler abgeschossen
Dreist erschossen und in der Thaya entsorgt, so lautet die Todesursache für den vor wenigen Wochen flügge gewordenen Kaiseradler im Weinviertel. Erst im Juli haben die Greifvogelexperten von BirdLife Österreich die zwei seltenen Jungtiere beringt und mit einem Sender ausgestattet.

„Nachdem wir keine Senderbewegung mehr feststellen konnten, hat sich unser Verdacht schnell erhärtet“, so Gábor Wichmann von BirdLife. Der bereits tote Jungvogel ist in einer Staude in der Thaya hängengeblieben und konnte dann dank des Senders geortet und umgehend geborgen werden. Die Analyse des Tierkadavers durch das Institut für Wildtierforschung und Ökologie bestätigte den Einschluss eines bleihaltigen Projektils.

Drei Brutpaare dieses majestätischen Greifvogels leben nach aufwändigen Artenschutzbemühungen wieder in dieser Region. Dennoch bleibt der Kaiseradler in Österreich vom Aussterben bedroht. Das dieses Jahr gestartete grenzüberschreitende EU-Projekt soll den Greifvogelschutz mit Telemetrie zusätzlich absichern.

„Jeder einzelne Adler, den wir verlieren, stellt einen herben Verlust für den Bestand dieses Greifvogels dar!“, erklärt Wichmann, Leiter des BirdLife-Kaiseradlerprojektes. Ist ein Kaiseradler einmal so weit, dass er den elterlichen Horst verlässt, kann bereits viel geschehen sein. Der Horst muss Sturm und Regen standhalten, die ein bis zwei Eier müssen von Mader und Co verschont bleiben und zuletzt muss der Adlernachwuchs genügend Nahrung erhalten.

Zuviel Regen und ein ungewöhnlicher Kälteeinbruch in der Aufzuchtphase hat schon manche hoffnungsvolle Brut zunichte gemacht. Wichmann: „Hat ein Jungvogel überlebt und breitet erstmalige sein bis zu zwei Meter breiten Schwingen aus,

erkundet der Kaiser der Lüfte bald ein Revier von 100km. So verfolgen wir tag täglich die Flugerfolge des zweiten besenderten und noch lebenden jungen Kaiseradlers“.

Der aktuelle Fall setzt eine Serie illegaler Anschläge auf seltene Greifvögel fort. „"Allein seit 2007 wurden vier Seeadler Opfer von hitzköpfigen Schützen. Ganz abgesehen von diversen Giftanschlägen“, erklärt Christian Pichler Seeadler-Experte beim WWF.

„Wir werden nicht zulassen, dass unverantwortliche Einzelpersonen unsere gemeinsamen Erfolge ruinieren“. Besonders bedauerlich ist nach Ansicht der Naturschützer, dass sich diese Vorfälle besonders im March-Thaya Gebiet häufen, wo Landwirte, Jägerschaft und Naturschutz seit Jahren ausgezeichnet zusammenarbeiten.

Empört und betroffen reagiert auch die Jägerschaft auf den aktuellen Fall. „Hier liegt ein ganz klarer Verstoß gegen das Jagdrecht vor“, ist Dr. Peter Lebersorger von der Zentralstelle der Landesjagdverbände empört. Das seltene Tier ist in den Jagdgesetzen als ganzjährig geschont ausgewiesen. „Die Verfolgung von Greifvögeln ist kein Bagatelldelikt. Unsere Jagdschutzorgane werden verstärkt patrouillieren, damit dieses unsinnige Vogelmorden endlich der Vergangenheit angehört.“

Anzeige gegen Unbekannt wurde von WWF, Birdlife und der Jägerschaft eingebracht und Beweismaterial zur Verfügung gestellt. Derzeit untersucht die Polizeiinspektion Bernhardsthal den Fall. Wichmann von BirdLife kündigt an: „Gemeinsam mit WWF und der Jägerschaft werden wir die polizeilichen Untersuchungen ganz genau verfolgen und verstärkt gegen die Wilderei vorgehen“.



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