VET-MAGAZIN.com | wissenschaft | Kleintiermedizin | Hunde | Beiträge
 

Verlust eines Vorderbeins erfordert eine stärkere Kompensation durch den Hund als der eines Hinterbeins
Forscher der Universität Jena untersuchen, wie sich beinamputierte Hunde fortbewegen

Meist ist es ein Unfall, der in Sekundenschnelle alles verändert: Ein Zusammenprall mit einem Auto beispielsweise kann einem Hund so schwere Verletzungen zufügen, dass ihm ein Bein amputiert werden muss.

Was für das Tier und seinen Besitzer zunächst tragische Folgen hat, ist für Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Glücksfall. Denn genau diese Hunde mit Handicap sind es, von denen sie sich wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung von Laufrobotern versprechen.

„Wir beobachten, wie sich die Tiere, denen entweder ein Vorder- oder Hinterlauf amputiert werden musste, fortbewegen“, erläutert Martin Groß von der Uni Jena. „Mit welchen Strategien versucht das Tier das fehlende Bein zu kompensieren?“, nennt der Biologe vom Lauflabor des Instituts für Sportwissenschaft eine zentrale Frage seines Forschungsansatzes. Erste Ergebnisse hat der Jenaer Forscher am 1. Juli 2010 auf der Internationalen Konferenz der Society for Experimental Biology in Prag der Fachwelt präsentiert.

Für ihre Studie beobachten Martin Groß und seine Kollegen beinamputierte Hunde mit jeweils zehn hochspezialisierten Infrarotkameras, während sich die Tiere auf einem Laufband fortbewegen.

„Die natürliche Laufbewegung ist für vier Beine ausgelegt“, so Martin Groß, „weshalb beinamputierte Tiere ihr Fortbewegungssystem komplett neu organisieren müssen.“ Bei ihren Experimenten konnten die Jenaer Bewegungsforscher feststellen, dass sich Hunde mit einer Amputation des Hinterbeins einfacher an die neue Situation anpassen als Vorderbeinamputierte.

Zehn Infrarotkameras liefern die Daten, aus denen ein dreidimensionales Computermodell erstellt wird, das die Bewegungsabläufe abbildet
„Der Verlust eines Vorderbeins erfordert eine weitaus stärkere Kompensation als der eines Hinterbeins“, betont PD Dr. André Seyfarth, Leiter des Lauflabors der Uni Jena. Dies, so vermuten die Forscher, liege vor allem an der höheren Lastverteilung auf den Vorderbeinen der Tiere. Bisher stützen sich die Wissenschaftler allerdings erst auf die Untersuchung relativ weniger Tiere. „Um unsere Ergebnisse zu überprüfen und zu bekräftigen, werden weitere Messungen nötig sein“, sagt Martin Groß.

Ihre aktuelle Studie ist Teil des EU-Projekts „Locomorph“, mit dem die Forscher der Uni Jena gemeinsam mit Biologen, Physikern und Ingenieuren in Belgien, Kanada, Dänemark und der Schweiz daran arbeiten, die Effizienz und die Handhabung von Laufrobotern in unbekannten Umgebungen zu verbessern. „Wird der Roboter durch einen Ausfall eines Bauteils gezwungen seine ‚Morphologie’ zu ändern, sollte es geeignete Strategien geben, dass er sich entsprechend angepasst weiter fortbewegen kann“, verdeutlicht Dr. Seyfarth.

Ihre aktuellen Forschungsergebnisse wollen die Bewegungswissenschaftler der Jenaer Uni auch während des „Locomorph“-Projekt-Meetings vorstellen, zu dem vom 14. bis 16. Juli rund 25 Wissenschaftler aller beteiligten Projektpartner in Jena erwartet werden. Auf dem Programm stehen dann auch ein Workshop mit eingeladenen Fachreferenten sowie eine „Roboter-Demonstration“.

Weitere Informationen zum „Locomorph“-Projekt sind zu finden unter: http://locomorph.eu und www.lauflabor.uni-jena.de

 

Weitere Meldungen

03.02.2010   Lungenwürmer in Deutschland häufiger als angenommen   weiter...
22.10.2009   Erster Hund mit 3 Gelenksprothesen weltweit   weiter...
27.03.2009   Milteforan ist die erste Wahl zur Therapie caniner Leischmaniosen   weiter...
08.05.2008   Seminar: Angst beim Hund - ein Problem unserer modernen Zeit?   weiter...
23.04.2008   Nach Tests in Dubai: Rettungshunde wieder in Wien gelandet   weiter...
14.06.2007   Adipositas und Übergewicht bei Hunden   weiter...
05.06.2007   Guidelines zur Behandlung von Erbrechen bei Hunden   weiter...
25.04.2007   Erbrechen bei Hunden   weiter...
16.04.2007   Züchter-Informationstagung 2007   weiter...
22.02.2007   European Emesis Council (EEC) gegründet   weiter...
23.08.2006   Hilfe bei Hauterkrankung durch Interferon   weiter...
15.08.2006   Ansteckender Krebs bei Hunden bestätigt   weiter...
17.05.2006   Schutz vor "oxidativem Stress"   weiter...
04.05.2006   Interferon: Tierärzte beurteilen "Anti-Virus-Therapie"   weiter...
10.01.2006   Kennzeichnung der Hunde in der gesamten Schweiz beginnt   weiter...
02.09.2005   Schultergelenkarthroskopie beim Hund   weiter...
02.08.2005   "Dobermann-Projekt" an der Uni München   weiter...
02.06.2005   Das größte Hundetreffen, das es je in Österreich gegeben hat!   weiter...
04.05.2005   Atlas der Röntgenanatomie des Hundes   weiter...
28.04.2005   Züchter-Informationstagung 2005   weiter...
26.04.2005   Die Welt in seinem Kopf - Über das Lernverhalten von Hunden   weiter...
30.03.2005   Hundekot und Rinerabort: Indizien entlasten den "Stadthund"   weiter...
10.03.2005   Erfolgreiche Kooperation in der Infektionsbiologie: "Tarnkappe" der Borrelien teilweise gelüftet   weiter...
26.10.2004   Wisconsin Veterinarian Finds More Effective Drug Treatment for Brain Lesions in Dogs   weiter...
01.10.2004   Thema: Leberkrankheiten beim Kleintier   weiter...



  
ESCCAP
Hamster
Hunde
 Beiträge
 Produkte
Kaninchen
Katzen
Meerschweinchen
Vögel




eMail:
Passwort: